5 · Anschließen¶
Die gute Nachricht zuerst: Der Aufbau der Complete ist überschaubar. Die Platine kommt fertig bestückt zu dir – das gesamte SMD-Löten der winzigen Bauteile ist bereits erledigt, und auch die Lötbrücken, die dein Gerät konfigurieren, sind ab Werk passend zu deiner Bestellung gesetzt. Was bleibt, ist übersichtlich: ein paar Drähte anlöten, den Drehencoder anschließen, alles ins Gehäuse bringen. Kein SMD, keine Spezialkenntnisse.
Als Begleitung beim Aufbau eignet sich das ausführliche Aufbau-Tutorial im Forum (#3863), ergänzend die Threads zur Complete (#3817) und zum Encoder-Bausatz (#2414).
Zwei Dinge können dein Board zerstören – bitte ernst nehmen
- Prüfe die Polung des Akkus. Bei LFP-Akkus (unter anderem von Eremit) gab es zwischenzeitlich Exemplare mit vertauschter Polarität. Verlass dich niemals blind darauf, dass Plus und Minus dort liegen, wo du sie erwartest – gleiche die Anschlüsse vor dem ersten Anstecken unbedingt mit dem Aufdruck auf der Platine ab.
- Verlass dich nie auf die Litzenfarben. Farben von Anschlussleitungen sind nicht genormt; maßgeblich ist immer der Aufdruck auf der Platine. Besonders kritisch ist das beim Neopixel: Vertauschst du hier die Polarität, entsteht ein Kurzschluss, der im schlimmsten Fall die ganze Platine zerstört.
Was du bekommst¶
Bereits bestückt sind unter anderem der ESP32-WROVER, der Verstärker, der Laderegler, die Spannungsüberwachung, der Port-Expander und der SD-Slot. Ein paar optionale Steckverbinder bleiben dagegen bewusst unbestückt – allen voran der für I²C. Dahinter stecken zwei Überlegungen: Zum einen wird I²C bislang schlicht nicht gebraucht. Zum anderen ist der I²C-Anschluss genauso fünfpolig wie der für den Drehencoder, die beiden ließen sich also leicht verwechseln. Bleibt der I²C-Stecker unbestückt, kann das gar nicht erst passieren.
Die Lötbrücken¶
Auf der Rückseite sitzen mehrere Lötbrücken (Jumper), über die grundlegende Eigenschaften der Platine festgelegt werden – vor allem der Akkutyp, die Verstärkung und die RFID-Versorgung. Die gute Nachricht vorweg: Sie sind bei deiner Complete bereits werkseitig passend zu deiner Bestellung gesetzt (typisch: JP2 auf +3 dB, JP4 automatisch, JP5 und JP6 je nach Akkutyp, JP8 im Standard). Im Normalfall musst du hier also gar nichts anfassen. Willst du später etwas ändern – etwa den Akkutyp wechseln –, findest du unten, was jeder Jumper bedeutet. Vorher aber das Wichtigste:
Erst lesen, dann löten
- JP5 nur bei LiPo setzen – niemals bei LFP! JP5 stellt die Ladeschluss-Spannung: gesetzt = 4,2 V (LiPo), offen = 3,6 V (LFP). Setzt du JP5, während ein LFP-Akku angeschlossen ist, wird dieser überladen – Brandgefahr!
- JP6 muss zum Akkutyp passen. JP6 wählt die Unterspannungs-Schwelle: LFP (~2,75 V) oder LiPo (~3,15 V). Steht JP6 auf LFP, obwohl ein LiPo angeschlossen ist, schaltet der Wächter erst bei 2,75 V ab – der LiPo wird dann zu tief entladen und kann Schaden nehmen. Der Wächter muss also immer zur eingesetzten Akkuchemie passen.
- Der Spannungswächter (JP6) und die RFID-Versorgung (JP8) müssen gesetzt sein – sonst funktioniert die Complete bzw. der Kartenleser überhaupt nicht.
| Jumper | Funktion | Stellungen |
|---|---|---|
| JP2 / JP3 | Grundverstärkung des Audio-Verstärkers | Nie beide zugleich! JP2 = +3 dB JP3 = +15 dB keiner = +9 dB Ab Werk gesetzt: JP2 (+3 dB) – laut genug und feinere Lautstärke-Abstufung per Software. |
| JP4 | Interne Lade-LED | Schließt den Stromkreis der On-Board-LED, die den Ladevorgang anzeigt (blinkt/leuchtet/aus – siehe Kapitel 3 → Laden & Lade-LED). Ab Rev. 5.1 ab Werk geschlossen (kein Löten nötig); davor mit 1+2 zu aktivieren. |
| JP5 | Ladeschluss-Spannung | gesetzt = 4,2 V (LiPo), offen = 3,6 V (LFP) – ⚠️ siehe Warnung oben. |
| JP6 | Unterspannungs-Wächter | 1+2 = LFP (~2,75 V), 2+3 = LiPo (~3,15 V). Einer von beiden muss gesetzt sein und zum Akkutyp passen – ⚠️ siehe Warnung oben. |
| JP8 | RFID-Versorgung / LPCD | 2+3 = Standard (empfohlen), 1+2 = LPCD-Modus. Muss gesetzt sein. |
| JP1 | LPCD beim PN5180 | 1+2 = LPCD aktiv (IRQ auf GPIO 32, belegt dann Ext-Connector 1), offen = kein LPCD. Nur zusammen mit JP8 (1+2) sinnvoll. |
Akkutyp später wechseln
Der Akkutyp steckt in JP5 (Ladespannung) und JP6 (Spannungswächter) – das sind die ein bis zwei Brücken, mit denen sich LiPo ↔ LFP nachträglich umstellen lässt. Denk danach daran, auch die Batterie-Spannungsschwellen im Webinterface anzupassen (siehe Feinjustierung), damit der Füllstand über den LED-Ring korrekt signalisiert wird.
Die Drähte anlöten¶
Jetzt kommen die Verbindungen, die du selbst herstellst. Sie laufen über JST-PH-Steckverbinder (2 mm), und du orientierst dich – siehe Warnung oben – immer am Platinenaufdruck, nie an der Litzenfarbe. Anzuschließen sind:
- der RFID-Reader: Der RC522 braucht nicht alle Adern; ungenutzte wickelst du zur Sicherheit mit Isolierband ab. Der PN5180 nutzt dagegen alle Anschlüsse. Welche Ader wohin gehört, steht in der nachfolgenden Steckerbelegung.
- der Lautsprecher (zweipolig).
- der Neopixel – ob Ring, Reihe oder einzelne LED – über drei Leitungen (GND, 5 V, Daten). Die Datenleitung ist auf den Ringen meist als DI (Data In) und DO (Data Out) beschriftet; angeschlossen wird an DI. Hier gilt noch einmal besonders: auf die Polung achten – bei LEDs ist eine Verpolung besonders heikel, weil sie sich wie ein Kurzschluss verhält.
- die Tasten (jeweils zweipolig).
- der Drehencoder: kommt in den fünfpoligen Anschluss. Mit dem ESPuino-Encoder-Bausatz wird er nur gesteckt, bei einem anderen Encoder lötest du die Leitungen selbst an (mehr dazu gleich unten).
- optional die Kopfhörerplatine, die du in den sechspoligen Anschluss steckst.
RFID-Steckerbelegung¶
Der RFID-Anschluss der Complete ist ein 10-poliger Stecker. Die Belegung orientiert sich am PN5180, der alle Leitungen nutzt; der RC522 kommt mit weniger aus. Welcher Reader steckt, erkennt die Firmware automatisch – die Belegung ist reine Hardware. In der folgenden Tabelle steht „–" für das, was der RC522 nicht benötigt.
| Anschluss (Complete) | PN5180 | RC522 | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 5 V | +5 V | – | Liefert nur 3,3 V, versorgt den PN5180 aber dennoch |
| 3,3 V | +3,3 V | 3,3 V | Spannungsversorgung |
| RST | RST | – | Reset (nur PN5180) |
| CS | NSS | SDA | SPI: Chip-/Slave-Select |
| MOSI | MOSI | MOSI | SPI: Master Out, Slave In |
| MISO | MISO | MISO | SPI: Master In, Slave Out |
| SCK | SCK | SCK | SPI: Takt |
| BUSY | BUSY | – | Busy (nur PN5180) |
| IRQ | IRQ | – | Interrupt (nur PN5180) |
| GND | GND | GND | Masse |
Für den RC522 sind also nur die SPI-Leitungen (CS/MOSI/MISO/SCK) plus 3,3 V und GND nötig; RST, BUSY und IRQ lässt man weg (sie bewirken dort nichts). Quelle: Forum → ESPuino Complete (#3817).
Der Drehencoder¶
Für den Drehencoder sitzt auf der ESPuino-Platine ein fünfpoliger, verpolsicherer JST-PH-Anschluss. Wie der Encoder dort hineinkommt, hängt davon ab, wofür du dich entscheidest:
- Mit dem ESPuino-Encoder-Bausatz wird nichts gelötet, was die Verkabelung angeht: Ihm liegt eine fertig konfektionierte Leitung mit Steckern an beiden Enden bei – eine Seite in die ESPuino-Platine, die andere in die Adapterplatine des Encoders. Gelötet wird nur der Bausatz selbst, siehe gleich unten.
- Nimmst du einen beliebigen anderen Drehencoder, bekommst du lediglich eine fünfpolige JST-PH-Anschlussleitung: Deren Stecker kommt in die ESPuino-Platine, die losen Drähte am anderen Ende lötest du selbst an deinen Encoder an.
Eigener Encoder: Pull-up-Widerstände nicht vergessen
Setzt du einen eigenen Drehencoder ein, achte darauf, dass auf dessen Platine Pull-up-Widerstände bestückt sind. Bei fertigen Encoder-Modulen ist das normalerweise der Fall – ein kurzer Blick lohnt sich trotzdem: Fehlen sie, kommt es zu „Ghost-Touches", ESPuino registriert dann Drehbewegungen, die gar nicht stattgefunden haben. Beim ESPuino-Encoder-Bausatz sind sie bereits an Bord, dort musst du dich darum nicht kümmern.
Der Bausatz besteht aus:
- dem Drehencoder selbst,
- einer kleinen Adapterplatine (mit drei bereits bestückten Pull-up-Widerständen),
- einer fünfpoligen JST-PH-Buchse und
- der passenden Anschlussleitung.
Zusammenlöten musst du ihn allerdings selbst: Drehencoder und JST-Buchse kommen auf die Adapterplatine – und zwar auf entgegengesetzte Seiten.
Nur beim Bausatz: auf die richtige Seite löten!
Der Drehencoder wird von der Seite eingesetzt, auf der das Rechteck aufgedruckt ist; die JST-Buchse kommt auf die andere Seite. Zur Kontrolle: Der Aufdruck (Rechteck bzw. Nummer) muss am Ende vom jeweiligen Bauteil verdeckt sein. Lötest du verkehrt herum, passt es nicht sauber zusammen und der Encoder funktioniert nicht. Die genaue Bebilderung dazu steht im Encoder-Thread (#2414).
Falls sich später herausstellt, dass „lauter" und „leiser" vertauscht sind, ist das kein Grund zum Umlöten: Die Drehrichtung lässt sich im Webinterface umkehren (Kapitel 8 → Drehencoder & Taster).
Ist alles angeschlossen, geht es weiter mit dem Einbau ins Gehäuse und der Feinjustierung unten.
Nach dem Zusammenbau: die Feinjustierung¶
Ist alles verbaut, folgt der erste Start. Ein paar Einstellungen solltest du dabei einmalig an deine konkrete Hardware anpassen – am bequemsten gleich im Webinterface.
Am wichtigsten sind die Batterie-Spannungsschwellen, denn sie hängen vom Akkutyp ab. Wichtig zu verstehen: ESPuino weiß gar nicht, ob ein LFP- oder ein LiPo-Akku angeschlossen ist – die Firmware kann das nicht feststellen. Genau deshalb musst du die passenden Spannungsschwellen selbst einstellen, sonst hält ESPuino womöglich einen vollen LFP-Akku für halb leer oder umgekehrt. Ab Werk sind die Schwellen für LFP hinterlegt – nutzt du einen LiPo, stellst du sie entsprechend um. Als Anhaltspunkt:
| Akku | Warnung ab | erste LED ab | alle LEDs ab |
|---|---|---|---|
| LFP (Standard) | 3,0 V | 2,9 V | 3,25 V |
| LiPo | 3,2 V | 3,1 V | 4,2 V |
Die Akkuspannung misst der ESP32 über seinen eingebauten ADC (Analog-Digital-Wandler) – den Baustein, der eine analoge Spannung in einen Zahlenwert übersetzt, mit dem die Firmware rechnen kann. Dieser ADC ist allerdings kein Präzisionswunder: Die Anzeige wird nicht auf das letzte Millivolt genau, in der Praxis aber durchaus recht gut.
Sollte die angezeigte Spannung trotzdem nicht zur Realität passen – etwa wenn ein frisch geladener Akku als „nicht ganz voll" gemeldet wird –, lässt sich die Messung kalibrieren: Vergleiche die ESPuino-Anzeige mit einer Messung per Multimeter und trage die Differenz als Korrekturwert in den Batterie-Einstellungen des Webinterface ein. Der Wert wird direkt nach dem Speichern übernommen.
Seit September 2026 im Webinterface
Dieser Korrekturwert (offsetVoltage) lässt sich seit September 2026 direkt im Webinterface
setzen. In älterer Firmware ging das nur über offsetVoltage in der settings-complete.h.
Ansonsten ist jetzt der richtige Moment, um bei Bedarf die Neopixel-Drehrichtung und die Drehencoder-Richtung zu korrigieren, die Tastenbelegung anzupassen und die ersten RFID-Karten anzulernen.

