7 · Erststart¶
Dein ESPuino ist zusammengebaut, mit Strom versorgt – per USB-Netzteil oder, falls verbaut, per Akku – und die SD-Karte steckt. Jetzt soll zum ersten Mal Musik aus dem Lautsprecher kommen. Dieses Kapitel begleitet dich durch genau diesen ersten Start: vom Einschalten über das Einrichten des WLANs bis zu dem Moment, in dem du die erste Karte auflegst und ein Titel losspielt. Wir gehen die Schritte einzeln durch und erklären jeweils auch, warum etwas passiert – dann kannst du im Zweifel selbst einschätzen, ob alles seine Richtigkeit hat.
Eine Annahme vorweg: Auf deinem ESPuino ist bereits eine Firmware installiert. Bei der Complete ist das ab Werk der Fall – du musst also nichts flashen und kannst direkt loslegen.
Hast du deinen ESPuino dagegen selbst gebaut, kommt zuerst die Firmware. Hier gibt es eine
Einschränkung, die du kennen solltest: Fertige, vorgebaute Firmware wird nur für die wenigen
Plattformen automatisch erzeugt, für die es fertige Builds gibt (Complete, mini4L und das ältere
lolin_d32_pro). Für abweichende Eigenbauten gibt es also nichts zum bloßen Aufspielen – du
musst dir mit VS Code und pioarduino selbst eine passende Firmware kompilieren. Wie das geht, steht in
Kapitel 13 · Firmware aktualisieren; komm danach hierher zurück.
Der allererste Start dauert einen Moment
Beim ersten Einschalten legt ESPuino intern eine Reihe von Grundeinstellungen an. In der seriellen Konsole können dabei Meldungen auftauchen, die wie Fehler aussehen – etwa dass ein Wert noch nicht gefunden wurde. Das ist normal: Diese Werte werden gerade erst erzeugt, und beim zweiten Start sind die Meldungen verschwunden. Lass dich davon also nicht beirren.
Eine serielle Konsole hat allerdings nicht jeder – normalerweise bräuchtest du dafür eine Entwicklungsumgebung. Falls du trotzdem einmal mitlesen möchtest: Das ESPuino-Firmware-Tool bringt eine solche Konsole direkt im Browser mit.
Der Access-Point-Modus: warum ESPuino zuerst ein eigenes WLAN aufspannt¶
Damit ESPuino dir Musik über das Netzwerk zugänglich machen und sich bequem konfigurieren lassen kann, braucht er Zugang zu deinem WLAN. Beim allerersten Start kennt er dein WLAN aber noch gar nicht. Aus diesem Henne-Ei-Problem hilft sich ESPuino, indem er selbst ein WLAN aufspannt, in das du dich einklinken kannst, um ihm dann dein „richtiges" WLAN mitzuteilen.
Dieses Einrichtungs-WLAN heißt standardmäßig ESPuino und ist zunächst offen, also ohne Passwort.
Es ist nur der Notnagel für die Ersteinrichtung und verschwindet wieder, sobald ESPuino in deinem
WLAN angemeldet ist. (Umbenennen und mit einem Passwort absichern kannst du es später im
Tab WLAN – dort steht auch, warum du diesen offenen
Access-Point nicht dauerhaft aktiv lassen solltest.) Geh also an deinem Computer oder Smartphone in
die WLAN-Auswahl und verbinde dich mit dem Netzwerk ESPuino.
Sobald die Verbindung steht, weist ESPuino deinem Gerät automatisch eine Adresse zu, und du kannst
die Einrichtungsseite im Browser aufrufen. Sie liegt unter der festen Adresse http://192.168.4.1.
Bei vielen Geräten öffnet sich diese Seite sogar von selbst (als sogenanntes „Captive Portal", das
du vielleicht von Hotel- oder Café-WLANs kennst); passiert das nicht, tippst du die Adresse einfach
von Hand in die Adresszeile.
Wenn das Smartphone zickt
Manche Smartphones merken, dass über dieses WLAN kein Internet erreichbar ist, und weigern sich stillschweigend, die Seite zu laden – oder wechseln sogar heimlich zurück ins Mobilfunknetz. In aller Regel erscheint dann eine kleine Rückfrage im Stil von „Dieses WLAN hat keinen Internetzugang – trotzdem verbunden bleiben?". Bestätige diese, dann klappt es. Am unkompliziertesten ist die Ersteinrichtung aber ohnehin an einem normalen Computer.
WLAN einrichten¶
Auf der Einrichtungsseite hinterlegst du jetzt dein eigenes WLAN. Das sind drei kleine Schritte:
- Wähle deinen WLAN-Namen aus der Liste der gefundenen Netzwerke aus. ESPuino zeigt dir an, was in Reichweite ist, damit du dich nicht vertippst.
- Trage das WLAN-Passwort ein. Es wird auf dem ESPuino gespeichert, damit er sich künftig von allein verbindet.
- Vergib einen Hostnamen, zum Beispiel
espuino. Der Hostname ist der Name, unter dem dein ESPuino später im Netzwerk auftaucht – und, wie gleich noch wichtig wird, die bequemste Art, das Webinterface wiederzufinden. Hast du mehrere ESPuinos, gib jedem einen eigenen, sprechenden Namen (etwaespuino-kinderzimmer).
Sobald du speicherst, musst du nicht mehr auf gut Glück neu starten und hoffen. ESPuino probiert die Zugangsdaten gleich aus, während die Einrichtungsseite geöffnet bleibt, und zeigt dir direkt dort, wie es läuft – ob er sich gerade verbindet, ob es fehlgeschlagen ist oder ob die Verbindung steht. Klappt es nicht, korrigierst du einfach die Eingabe, ohne von vorn beginnen zu müssen. Und sobald ESPuino im WLAN ist, meldet dir auch der LED-Ring den Verbindungsstatus – wie du ihn liest, zeigt der nächste Abschnitt.
Die Neopixel als Statusanzeige lesen¶
Der LED-Ring (die „Neopixel") ist nicht nur Dekoration, sondern ESPuinos wichtigstes Rückmelde-Instrument. Gerade jetzt beim Verbinden lohnt sich ein Blick darauf:
- Vier langsam kreisende weiße LEDs bedeuten: Die WLAN-Verbindung steht und ESPuino ist bereit. Das ist das Signal, auf das du wartest.
- Grüne LEDs heißen dagegen: Es besteht (noch) keine WLAN-Verbindung. Das ist beim Verbinden kurz normal; bleibt es aber dauerhaft grün, ist entweder die Verbindung nicht zustande gekommen oder es sind noch gar keine Zugangsdaten hinterlegt.
Wenn es bei Grün bleibt, ist das kein Grund zur Sorge – meist steckt eine der drei üblichen Ursachen dahinter: ein Tippfehler im Passwort, zu große Entfernung zum Router, oder schlicht ein noch nicht abgeschlossener Verbindungsversuch. Starte ESPuino testweise neu, geh näher an den Router, und gib notfalls die Zugangsdaten noch einmal in Ruhe ein. Eine ausführlichere Fehlersuche zum Thema WLAN findest du in Kapitel 15 · Troubleshooting.
Das Webinterface öffnen¶
Sobald ESPuino im WLAN ist, verwaltest du ihn über das Webinterface – die Bedien- und Konfigurationsoberfläche, die du einfach im Browser aufrufst. Es gibt zwei Wege dorthin.
Der komfortable Weg führt über den Hostnamen, den du eben vergeben hast. Ist die
mDNS-Funktion aktiv (das ist die Voreinstellung), erreichst du deinen ESPuino unter
http://espuino.local – beziehungsweise unter dem Namen, den du gewählt hast. Du musst dir also
keine IP-Adresse merken. Wer eine FritzBox betreibt, kann zusätzlich http://espuino.fritz.box
verwenden. Der zweite Weg ist die direkte Eingabe der IP-Adresse, die ESPuino von deinem Router
bekommen hat; die findest du zum Beispiel in der Geräteliste deines Routers.
Immer http://, niemals https://
ESPuino spricht bewusst nur unverschlüsseltes HTTP. Das hat einen handfesten Grund:
Verschlüsselung (HTTPS/TLS) kostet einiges an Arbeitsspeicher, und davon hat der ESP32 ohnehin
nicht viel im Überfluss – für ein Gerät im eigenen Heimnetz ist unverschlüsseltes HTTP daher der
pragmatische Weg. Ruf die Adresse deshalb immer mit http:// auf. Manche Browser ergänzen von
sich aus ein https://; dann lädt die Seite nicht, und du musst das http:// von Hand
voranstellen.
Kurzer Einschub: statische IP-Adresse¶
Standardmäßig bekommt ESPuino seine Adresse automatisch vom Router zugewiesen (per DHCP), und für die allermeisten reicht das vollkommen. Wenn du möchtest, kannst du ihm stattdessen eine feste IP-Adresse geben – die Einstellungen dafür findest du später im Tab WLAN. Das ist aber nichts, was du für den Erststart brauchst.
Feste IP nur mit Bedacht
Eine falsch gesetzte statische IP-Konfiguration (Adresse, Netzmaske, Gateway, DNS, die nicht zu deinem Netz passen) kann dazu führen, dass ESPuino über WLAN gar nicht mehr erreichbar ist. Nutze diese Option nur, wenn du weißt, was du tust – im Zweifel bleib bei der automatischen Vergabe.
Inhalte auf die SD-Karte bringen¶
ESPuino spielt seine Inhalte – ob Hörspiele, Hörbücher oder Musik – von der SD-Karte. Damit er sie lesen kann, muss die Karte im Dateisystem FAT32 formatiert sein – nicht exFAT. Karten über 32 GB kommen ab Werk fast immer als exFAT, du musst sie also mit ziemlicher Sicherheit erst am Computer neu als FAT32 formatieren. (Windows bietet FAT32 für so große Karten im Standard-Dialog oft gar nicht an; dann hilft ein kleines Formatier-Tool.)
Um Dateien auf die Karte zu bekommen, hast du mehrere Möglichkeiten – und für den Einstieg ist die Reihenfolge ziemlich klar:
- Am Computer vorbefüllen. Nimm die SD-Karte einmal heraus und bespiele sie direkt am Rechner. Das ist mit Abstand am schnellsten und für die erste, größere Grundausstattung auf jeden Fall der sinnvollste Weg.
- Web-Upload. Der bequeme Standardweg: Du lädst einzelne Dateien oder ganze Ordner direkt im Webinterface hoch (Tab RFID, Bereich Dateien). Der Web-Upload wurde optimiert und ist inzwischen auch für größere Mengen der schnellste Weg – bis zu etwa 650 kiB/s (im SPI-Modus entsprechend weniger, den Complete und mini4L jedoch nicht verwenden).
- FTP. Eine Alternative über das Netzwerk – sie wird aber nur von wenigen genutzt und ist nicht auf Tempo optimiert; der Web-Upload ist heute in aller Regel schneller. Der Dienst muss zudem erst aktiviert werden (siehe unten sowie Kapitel 8). Sinnvoll vor allem, wenn du ohnehin mit einem FTP-Programm arbeitest.
- MediaHub. Betreibst du mehrere ESPuinos, verteilt MediaHub die Inhalte zentral über das Netzwerk (siehe Kapitel 11).
Wie du deine Inhalte anschließend sinnvoll in Ordner strukturierst, damit die Abspielmodi später genau das tun, was du erwartest, liest du in Kapitel 10 · Inhalte verwalten.
Die erste Karte anlernen¶
Jetzt kommt der schönste Moment: Wir verknüpfen eine RFID-Karte mit Musik. „Anlernen" heißt das deshalb, weil ESPuino sich merkt, welche Karte welchen Inhalt starten soll. Wichtig zu wissen – und für manche überraschend: Auf die Karte selbst wird dabei nichts geschrieben. ESPuino liest nur die eindeutige Nummer (die ID) der Karte und legt die Zuordnung in seinem internen Speicher ab – dem sogenannten NVS. Du kannst also handelsübliche RFID-Karten, Chips oder Aufkleber verwenden – konkret die Standards ISO-14443 und (nur mit dem PN5180-Reader) ISO-15693. Ganz „beliebig" ist es also nicht, aber die allermeisten gängigen Tags passen.
So gehst du vor:
- Leg eine noch unbenutzte Karte auf den Leser. Sofern der RFID-Reader diese Karte lesen kann, erkennt ESPuino sofort, dass er diese Karte noch nicht kennt.
- Achte auf die Neopixel: Sie quittieren das Auflegen mit einem kurzen roten Aufleuchten. Das ist keine Fehlermeldung, sondern schlicht das Zeichen „unbekannte Karte erkannt".
- Die Kartennummer erscheint automatisch im Webinterface im passenden Eingabefeld – eine zwölfstellige Zahl. Du musst sie also nicht abtippen; das Auflegen genügt.
- Wähle im Dateibrowser aus, was gespielt werden soll – eine einzelne Datei oder einen ganzen Ordner. Der Pfad wird übernommen.
- Lege den Abspielmodus fest. Er entscheidet, wie der Inhalt läuft: ein einzelner Titel, ein ganzer Ordner sortiert oder zufällig, ein Hörbuch mit gemerkter Position, und so weiter. Welcher Modus wofür gedacht ist, erklärt die Übersicht im Webinterface-Kapitel.
- Speichere die Zuweisung. Fertig – ab jetzt startet diese Karte den gewählten Inhalt, sobald du sie auflegst. 🎉
Schnell testen, ohne eine Karte zu opfern
Du möchtest nur kurz hören, ob eine Datei sauber läuft? Im Dateibrowser kannst du per Rechtsklick (am Smartphone: langes Antippen) eine Datei oder einen Ordner direkt abspielen – ganz ohne eine Karte anzulernen.
Ein paar sinnvolle erste Einstellungen¶
Bevor der ESPuino in Kinderhände wandert, lohnen sich zwei kleine Handgriffe, die dir später Ärger ersparen.
Der erste betrifft die Lautstärke. Im Tab Allgemein kannst du eine Maximal-Lautstärke festlegen (auf einer Skala von 0 bis 21), und zwar getrennt für Lautsprecher und Kopfhörer. So kann die Box gar nicht erst unangenehm laut werden – gerade bei Kindern eine dankbare Einstellung.
Der zweite betrifft FTP, falls du es später einmal nutzen möchtest – die meisten brauchen es nicht, denn der Web-Upload ist schneller und bequemer. FTP läuft aus gutem Grund nicht ständig mit: Es würde dauerhaft Arbeitsspeicher belegen, den ESPuino zum Beispiel fürs Webradio besser gebrauchen kann. Deshalb aktivierst du den FTP-Dienst nur bei Bedarf – entweder im Tab FTP oder über eine Tastenkombination am Gerät (die Neopixel bestätigen das mit einem kurzen grünen Aufleuchten). Nach dem nächsten Neustart ist FTP wieder aus.
Wie es weitergeht¶
Damit läuft dein ESPuino. Alles, was du hier angerissen hast, ist an anderer Stelle ausführlich beschrieben: die komplette Bedienoberfläche in Kapitel 8 · Das Webinterface, die Bedienung am Gerät mit allen Tasten und Anzeigen in Kapitel 9, und das Organisieren deiner Musik in Kapitel 10. Viel Freude beim Hören.