1 · Was ist ESPuino?¶
So könnte ein fertiger ESPuino aussehen – wie bunt, groß und individuell deiner wird, entscheidest du selbst.
Die Grundidee¶
ESPuino ist ein selbstgebauter, RFID-gesteuerter Audio-Player: Du legst eine Karte auf, und ein Hörspiel, ein Hörbuch oder eine Playlist beginnt zu spielen. Nimmst du die Karte wieder ab oder legst eine andere auf, wechselt der Inhalt. Das ist ein Bedienkonzept, das schon die Kleinsten sofort verstehen – und genau dafür ist ESPuino in erster Linie gedacht: als robuste, kindgerechte Hörbox, die ohne Bildschirm, ohne Konto und ohne Cloud auskommt.
Der Name verrät die Herkunft: Im Herzen steckt ein Mikrocontroller der ESP32-Familie. Um diesen Kern herum ist über die Jahre ein erstaunlich vollständiges Gerät gewachsen – mit Verstärker, Akkuladung, LED-Anzeige, Tasten und Drehregler. Trotzdem bleibt ESPuino ein offenes Bastel- und Selbstbauprojekt: Der Quellcode ist frei, die Hardware dokumentiert, und du entscheidest selbst, wie groß, wie laut und wie bunt deine Box wird – wie vielfältig das ausfällt, zeigt die Galerie „Zeigt her eure ESPuinos".
Ein Punkt ist wichtig zu verstehen, weil er später manches erklärt: Auf die RFID-Karten selbst wird nichts geschrieben. ESPuino liest lediglich die eindeutige Nummer (die ID) einer Karte und merkt sich intern, welcher Inhalt dazugehört. Du kannst also handelsübliche RFID-Karten, Chips oder Aufkleber verwenden – konkret die Standards ISO-14443 und (nur mit dem PN5180-Reader) ISO-15693 – und dieselbe Karte später jederzeit neu belegen.
Woraus besteht ein ESPuino?¶
Das ist die Frage, die am häufigsten gestellt wird – deshalb gleich zu Beginn eine Übersicht. Die folgende Liste beschreibt einen typischen ESPuino auf Basis der Complete-Platine, um die es in diesem Handbuch geht. Vieles davon steckt bei der Complete schon fertig auf der Platine; du ergänzt nur noch die Teile, die von deinen Wünschen abhängen (welcher Lautsprecher, welcher Akku, welches Gehäuse).
| Baustein | Wozu, und was du wissen solltest |
|---|---|
| Complete-Platine | Das Fundament. Sie bringt ESP32-WROVER, Verstärker, Laderegler, Spannungsüberwachung, Port-Expander und SD-Slot schon mit. |
| RFID-Reader | Liest die Karten. Zur Wahl stehen der günstige RC522 oder der leistungsfähigere PN5180. |
| microSD-Karte | Speichert deine Inhalte. Muss FAT32 formatiert sein; 32 bis 64 GB sind im Normalfall ausreichend. |
| Neopixel | Adressierbare LED(s) für Status und Fortschritt – am häufigsten ein Ring, es geht aber auch eine Reihe oder eine einzelne LED. Formal optional, in der Praxis aber kaum verzichtbar: Sie sind das zentrale Rückmelde-Instrument (Verbindung, Fortschritt, Batterie, Fehler …). Dringend empfohlen. |
| Lautsprecher | Für den Ton. Kopfhörer sind optional über eine separate Kopfhörerplatine möglich. |
| Drehencoder + bis zu 5 Taster | Die Bedienung am Gerät; beides ist optional. Das Standardlayout sieht drei Taster und den Drehencoder vor. |
| Akku | Für den mobilen Betrieb (LiFePO4 oder LiPo, jeweils mit Schutzschaltung). Ebenfalls optional – ESPuino läuft auch einfach am USB-Netzteil. Details in Kapitel 4 · Der Akku. |
| Gehäuse | Meist 3D-gedruckt. Ein fertiges Referenzdesign findest du in Kapitel 6 · Das Gehäuse. |
Ausführlicher ist das auch in der FAQ im Forum beschrieben.
Das ESPuino-Ökosystem¶
ESPuino ist mehr als ein einzelnes Repository, und es hilft, die Teile einmal einzuordnen – dann weißt du später, wo du was findest:
- ESPuino ist die Firmware, also die Software, die auf dem Gerät läuft. Sie ist der Gegenstand dieses Handbuchs.
- ESPuino-Firmware stellt fertig gebaute Firmware-Versionen bereit, die du ohne eigenes Kompilieren aufspielen kannst.
- MediaHub ist eine optionale Zusatzkomponente, um die Kartenzuweisungen mehrerer ESPuinos zentral zu verwalten (siehe Kapitel 11).
- Das Forum ist der Ort für Fragen, Ankündigungen und Austausch mit anderen. Dieses Handbuch bündelt das Wissen; die Diskussion lebt weiter im Forum.
Ein Blick zurück: die Entwicklungslinie¶
ESPuino ist über mehrere Jahre gewachsen, und es lohnt sich, das kurz einzuordnen – schon weil dir im Forum noch ältere Aufbauten begegnen. Am Anfang standen echte Eigenbauten, bei denen einzelne Module zusammengesteckt und verdrahtet wurden. Daraus wurden Aufbauten auf Streifenrasterplatinen, später Carrier-Platinen, die fertige Entwicklerboards aufnahmen. Der direkte Vorgänger der heutigen Complete ist die mini4L, in die ein eigens entwickeltes ESP32-Board gesteckt wurde.
Die Complete ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Linie: Sie bietet funktional im Kern das Gleiche wie die mini4L, vereint aber alles (bis auf die Kopfhörerplatine) auf einer einzigen Platine. Das senkt die Kosten und vereinfacht den Aufbau erheblich. Genau deshalb dreht sich dieses Handbuch um die Complete; die mini4L kommt als jüngster Vorgänger noch vor, aber nur dort, wo sie sich von der Complete unterscheidet (Kapitel 16). Ältere Stufen behandeln wir nicht.
Kleines Glossar¶
Ein paar Begriffe tauchen im Handbuch immer wieder auf. Du musst sie nicht auswendig lernen – schlag im Zweifel einfach hier nach:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| RFID | Kontaktlose Karte oder Tag, mit der ein Inhalt gestartet wird. ESPuino liest nur die ID, es schreibt nichts auf die Karte. |
| NVS | „Non-Volatile Storage" – der interne Speicher des ESP32, in dem Einstellungen und Kartenzuordnungen liegen. Ein normales Firmware-Update überschreibt ihn nicht; deine Einstellungen bleiben also erhalten. |
| HAL | „Hardware Abstraction Layer" – wählt beim Kompilieren, für welches Board (mit welchen Pins) die Firmware gebaut wird; oft auch Plattform genannt (z. B. complete, lolin_d32_pro_sdmmc_pe, lolin_d32_pro). |
| Neopixel | Adressierbare LED(s) zur Status- und Fortschrittsanzeige. Oft als Ring angeordnet; idealerweise ist die LED-Anzahl durch vier teilbar, weil mehrere Animationen darauf ausgelegt sind. |
| Deep-Sleep | Der stromsparende Tiefschlaf, in den ESPuino nach einer gewissen Inaktivität wechselt – oder wenn man ihn „ausschaltet". Ein echtes, vollständiges Abschalten (Strom ganz weg) ist standardmäßig nicht vorgesehen, aber möglich; es geht mit einer etwas längeren Bootzeit beim nächsten Einschalten einher. |
| Playmode | Der Abspielmodus einer Karte (Einzeltitel, Hörbuch, ganzer Ordner …). Alle Modi im Detail: Kapitel 8 → Abspielmodi. |
| Modifikationskarte | Eine Karte, die keine Inhalte startet, sondern eine Funktion auslöst – etwa einen Schlaftimer. Alle Aktionen im Detail: Kapitel 8 → Modifikationskarten. |
| LiPo | Lithium-Polymer-Akku. Nennspannung ~3,7 V, Ladeschluss 4,2 V. Hohe Energiedichte (viel Kapazität pro Größe/Gewicht), dafür empfindlicher und weniger langlebig. |
| LFP | Lithium-Eisenphosphat-Akku (LiFePO₄). Nennspannung ~3,2–3,3 V, Ladeschluss ~3,6 V. Sehr sicher und langlebig, dafür geringere Energiedichte (weniger Kapazität) und niedrigere Spannung. |